Kauft nicht bei Arabern

Roger Waters von den Pink Floyd gibt ein Konzert. Die ARD wird es nicht ausstrahlen.  Warum? Er hat sich zu BDS bekannt, der Organisation, welche Israel mit einem Kulturboykott dazu bringen will, die Besatzung der palästinensischen Gebiete aufzugeben.

Das höre ich nicht auf Radio SRF Kultur. Dort wird der Grund sehr seltsam angegeben. Die offenbar ganz einseitig gebriefte Kulturredaktorin Judith Wipfler erklärt den Sachverhalt: Die Boykottbewegung gegen Israel ist nichts anderes als: “Kauft nicht bei Juden” – was an den Holocaust anknüpft und ganz klar antisemitisch sei. Darum – und jetzt hören Sie bitte: boykottiert die ARD den Musiker.

Es braucht viel Indoktrination, um aus einem verzweifelten Boykott für ein unterdrücktes, ausgebeutetes und von gezielter Vertreibung bedrängtes Volk Antisemitismus zu konstruieren und damit alle, welche sich einsetzen, umgekehrt wieder zu boykottieren und fertigzumachen. Aber das ist Alltag, das ist Strategie, und unsere westlichen Entscheidungsträger, Politiker und Medien fallen darauf herein. Auch die Kulturredaktorin. Das Resultat ist eben, dass kein Mensch davon spricht, warum dieser Boykott notwendig ist.

Es ist ein ganz alltägliche Massnahme, zu boykottieren, was man nicht will, wie die ARD beweist, wie alle Zeitungen, die Israelkritik nicht bringen wollen, wie die Kirchgemeindevorsteher, welche keine Informationsveranstaltungen in ihren Räumen dulden, pausenlos beweisen. Wieso ist genau dieser Boykott derart verrufen? Wieso kann die israelische Regierung unbeobachtet von der Welt dekretieren, dass keine Anhänger der Boykottbewegung mehr das Land betreten dürfen?

Ich habe von Israelis ganz oft Sätze gehört, dass sie alle arabischen (also palästinensischen) Geschäfte, Restaurants, Handwerker boykottieren, und dass man in Israel möglichst keine Palästinenser beschäftigen soll, sondern Arbeiter aus Asien kommen lässt, ist sogar eine jahrzehntealte Politik. “Kauft nicht bei Arabern”, ist ein ständig geäusserter Aufruf. Wie kommt es, dass sich niemand darüber wundert?

Darf ich noch präzisieren, dass ein Boykott an den ungeliebten palästinensischen Mitbürgern in Israel sowie den unter Besatzung stehenden Palästinensern in der Westbank und Gaza ein klares wirtschaftliches Ziel haben, armen Menschen weiter zu schaden und sich an ihrer Unterdrückung zu bereichern. Ein Boykott israelischer Produkte hingegen ist ein verzweifelter Aufruf, das Unrecht zu sehen. Ziel ist, durch internationale Isolierung – das ist ja unmöglich, aber wenigstens internationale Aufmerksamkeit – Israel zu einer Änderung der unmenschlichen Politik zu bewegen.

Das Totschweigen macht selbst unsere intelligenten und sonst gut informierten Kulturmenschen zu willfährigen Werkzeugen israelischer Vertuschungspolitik.

An früherer Stelle habe ich vom Hungerstreik der palästinensischen Gefangenen gesprochen. Hier kann man keinen Antisemitismus konstruieren, deshalb schweigt man ihn jedesmal – alle paar Monate, wenn wieder zu diesem noch verzweifelteren Mittel gegriffen wird – tot. Attentate mit palästinensischen Messern: Ja, selbst wenn es eine Nagelschere war, selbst wenn es, wie die Videos beweisen, von einem Sanitäter zum von Soldaten erschossenen unbewaffneten Opfer hingelegt wurde, das wird unbewiesen als gefährlicher terroristischer Angriff gemeldet.

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