Teuflische Reiseerlaubnis für Gaza

Frustrierend bleibt immer, dass man dieses Stück am Mittelmeer, wohin die PalästinenserInnen zum grössten Teil bei der Vertreibung aus ihren Dörfern, die im heutigen israelischen Staatsgebiet liegen, gelangt sind und auf engstem Raum zusammengepfercht sind, derart leiden lässt und niemand aufschreit.

Überall sonst gibt es Strände, man reist hin, aber das ist hermetisch abgesperrt. Nicht einmal von Flüchtlingen hören wir – sie würden ja ausserhalb der 3-km-Ufergrenze abgeknallt. Isoliert und weggesperrt sind sie ja, aber permanent überwacht. Dort werden ja die Drohnen und Geheimdienstmethoden und Mauern getestet, welche nachher als Kriegsgerät verkauft werden.

In der Knesset wurde schon mehrmals diskutiert, wieviele Kalorien man pro Person nach Gaza durchlassen müsse, damit die Menschen nicht verhungerten, aber konstant auf “Diät” seien (als Vorsorgestrafe?), Genüsse wie etwa Schokolade sind definitiv verbannt.

Reisen durften ja die Menschen aus Gaza ja praktisch nie, ausser etwa ganz spezielle medizinische Notfallaufgebote. Es gibt mehrere Beispiele, wo eine Braut nicht an die eigene Hochzeit im Westjordanland durfte. Die KünstlerInnen und SportlerInnen – nein, ich kann bei der männlichen Form bleiben – wurden schon lange komplett am Reisen gehindert. Nebeneffekt ist natürlich, dass es keine Vorbilder, keine Unterhaltung, keinen Stolz geben soll. Die Stimme von Mohammed Assaf, der in einem Flüchtlingslager in Gaza aufwuchs, ist verstummt. 2014 durfte ein talentierter Marathonläufer, der Schlagzeilen machte, trotz internationalen Bitten nicht einmal in die Westbank zum Rennen, geschweige denn ins Ausland. Die Erklärung der israelischen Polizei war einfach: Es gab keinen Grund, sie reisen zu lassen. Denn tatsächlich würde man sich ja sonst fragen müssen, warum alle andern jungen Männer im gleichen Alter in Gaza gefangen blieben…

Und jetzt also die grosse Erlösung: Menschen aus Gaza dürfen das Land legal verlassen! Grossartig, endlich, was ist passiert? Einzige Bedingung: Wer ins Ausland reist, darf ein Jahr lang nicht zurückkommen.

Was für eine Teufelei.

Israel beutet alle Rohstoffe aus, im Meer vor Gaza das Erdgas, rund um Gaza wird das Wasser abgeleitet, und die Menschen sind eingesperrt. Ein eigentlich unglaublicher Dauerzustand. Viel wünschbarer in dieser Optik ist natürlich, wenn in Gaza niemand mehr wäre. Darum ist diese Reiseerlaubnis nichts anderes als Vertreibung, und zwar eine besonders hinterhältige: Die Menschen gehen sogar freiwillig. Während sie weg sind, gibt es keine Kontakte mehr, sie können nichts Nützliches ins Land bringen, sondern im Gegenteil werden ihre Angehörigen auch ausreisen wollen.

Viele werden diese erstmalige Gelegenheit, aus dem Freiluftgefängnis Gaza herauszukommen, nutzen wollen. Vielleicht denken sie nicht sehr an diese Bedingung. Wenn jemand in der Familie stirbt, wenn sie zurückkommen möchten, um etwas aufzubauen, um zu helfen, um die Gesellschaft vorwärtszubringen, ist es verboten.

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