Was geschieht in der West Bank?

Ich habe gelernt misstrauisch zu sein. Da gibt es Geplänkel um israelische Botschafter – zum Beispiel wurde ein Siedler nach Brasilien geschickt, den sie dort nicht wollten, doch es gibt keinen andern – da wird ein amerikanischer Botschafter von einem israelischen Knessetmitglied beschimpft. Ausgerechnet als “Jüdlein”, wie ich höre. Der Zeitungsartikel erzählt die öffentlichen Beschimpfungen mit diesem Wort in den letzten zwanzig Jahren.

In der Schweiz wird aufgerollt, was vor einem halben Jahrhundert mit den PLO für ein Deal geschlossen worden sei. Interessant und seltsam, gebe ich zu, aber da ist schon wieder die Absicht zu hören: Da sei mit Terroristen verhandelt worden, und das müsse heute noch aufgedeckt und geahndet werden.

Ich bin geneigt zu glauben, dass all diese Scharmützel absichtlich laufen um zu verdecken, was gerade im palästinensischen Gebiet geschieht: Gaza leidet und wird ausgebeutet, überall im Westjordanland wird Land angeeignet, Jerusalem wird arrondiert, im Jordantal werden jetzt die erwarteten grossflächigen Agrarflächen übernommen, Überfälle auf wichtige Figuren des Widerstands häufen sich; palästinensische und jüdische Friedensaktivisten werden reihum verhaftet. Es ist eine gewaltige Aktion im Gange. Die Siedler, früher noch als illegal ein wenig am Rand der israelischen Gesellschaft, führen sie jetzt dank ihren Vertretern in der Politik. Und sie machen so schnell wie möglich realen Gewinn daraus, nehmen sich Boden und bauen, was das Zeug hält und vertreiben die Besitzer so weit wie möglich. Beduinen werden auf dem israelischen Staatsgebiet ebenso vertrieben wie im palästinensischen C-Gebiet, über das Israel verfügt. Sie haben im Moment freie Hand und wissen vermutlich, dass dieser gesetzlose Zustand nicht lange anhalten kann.

Darum glaube ich auch nicht an das Wehgeheul über die Kennzeichnung israelischer Produkte, die illegal auf palästinensischem Land hergestellt werden. Das geht denen nämlich ziemlich hinten vorbei, sie haben längst Wege zur Umgehung eingeführt und wissen, dass nie eine Mehrheit für den Boykott zustande kommt. Aber immer schnell ausrufen und Lärm veranstalten, um hinter der Bühne die Kulissen zu verschieben, ohne dass jemand darauf achtet.

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