… und für die weniger Involvierten

Ich möchte endlich einmal jene erreichen, die etwas bewirken können: Alle, die von sich sagen, sie verstünden den Nahostkonflikt nicht und die vielleicht nichts darüber wissen wollen. Natürlich wäre es dringlich, diejenigen zu erreichen, die aktiv verhindern, dass Nachrichten über die wirkliche Lage veröffentlicht werden. Aber die haben schon ein Programm und üben es erfolgreich aus, darum will ich lieber diese Knoten im Netz überspringen und denke an jene, die mir sagen: “Jetzt werden die Siedlungsprodukte extra angeschrieben. Was müssen wir jetzt machen, sie kaufen oder nicht?”

Beginnen wir damit, dass dieser Blog anonym ist. Kaum jemand in der Schweiz wird glauben, dass es notwendig ist. Und doch weiss ich, dass der Geheimdienst sich mit Leuten wie mir abgibt. Dass die Mails nach Stichwörtern gefiltert und je nachdem nicht zugestellt werden. Dass man keine Chance hat, in ein gewisses Land einzureisen, wenn einem kritische Äusserungen nachgewiesen oder -gesagt werden. Wie wollten wir sonst erklären, dass die neue Ministerin Ayelet Shaked (die, welche Palästinenser als Schlangenbrut bezeichnet) es durchgebracht hat, dass sämtliche regierungskritischen NGOs streng überwacht und als Staatsfeinde bezeichnet werden? Eine davon ist B’Tselem, die unglaublich wichtige Aufgaben ausführt, zu welchen eigentlich der okkupierende Staat verpflichtet wäre: Das Gebiet kartographiert, Enteignungen, Zerstörungen dokumentiert.

Letzte Woche brach Feuer im B’Tselem Büro aus, alle vermuteten sofort Brandstiftung. Diese Vermutung wurde seither verboten (das kann man in diesem Staat, der das Gedenken an die Vertreibung der Palästinenser bestrafen kann) und neu heisst es, man gehe von einem technischen Defekt aus. Aber ich schweife ab, ich tue das immer in diesem Gebiet, wo alles auf skandalöse unbegreifliche Art zusammenhängt.

Für die weniger Betroffenen möchte ich einmal ganz einfach sagen, was da läuft. Man weiss, dass seit 49 Jahren das Westjordanland besetzt und Gaza abgeschlossen ist. Der Fehler ist nun zu meinen, der Zustand sei immer gleich und erträglich.

Aus meiner Anschauung habe ich etwas anderes begriffen: Jeder Tag, jede Stunde ist schlimmer als vorher. Wie bei einem Brand. Man kann sagen, jetzt brennt weniger Prozent als vor einer Weile. Es ist auch weniger da.

Das Westjordanland besteht noch aus kleinen Inseln von Städten und Dörfern mit ein bisschen Selbstverwaltung, welche sich auf minime Infrastruktur und das Lösen von dauernd wachsenden Problemen beschränkt und die ständig durch israelische Willkür und Übergriffe erschüttert wird.

Zwischen diesen Inseln sind die gross ausgebauten Siedlerstrassen, welche den Palästinensern verboten sind – das ist einmalig auf der Welt, Apartheid der Strassenbenutzung – und die aus Israel zu den illegalen israelischen Siedlungen im palästinensischen Gebiet führen. Diese wachsen täglich, es werden täglich jüdische Kinder im angeeigneten Territorium geboren und die Zuversicht wächst, dass in baldiger Zukunft “Samaria und Judäa” ganz jüdisch sein wird. Diese Aussage, das palästinensische Land gehöre nämlich ihnen, hört man mittlerweile nicht mehr nur von Extremisten, sondern man kann sagen, es wird zum allgemeinen Gedankengut, jüdische Kinder scheinen in den Schulen damit aufzuwachsen. Anders und auch richtig gesagt, die massgebliche Bevölkerung von Israel – damit meine ich die Mehrheit, wie in der Schweiz die SVP – ist inzwischen so extremistisch wie es früher nur eine schmale Gruppierung war.

Zu fürchten ist diese Regierung, in der mittlerweile selbst Bewohner von illegalen Siedlungen sitzen und menschenrechtsverletzende Gesetze vorlegen. Die Botschafter aus Siedlungen in alle Welt schicken. Was passiert, wenn sich ein Land wehrt?

“Brasilien lehnt Dani Dayan ab, da dieser Leiter der israelischen Siedler-Organisation „Yesha Rat“ gewesen ist. Israel droht nun mit einer Abstufung der diplomatischen Beziehungen. Doch wie es aussieht, bleibt Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff eisern.” So stand es im Dezember. Rousseff ist ja jetzt im Amtsenthebungsverfahren. Zufall?

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