Censored Voices

Heute wurde der Film “Censored Voices” im Rahmen des Menschenrechts-Filmfestivals gezeigt. Tonbänder von Soldaten, die im legendären Sechstagekrieg siegten und bis heute unangetastet als Helden gelten.

Offenbar ist der Glaube, dass dieser Krieg vom Juni 1967 ein Präventivschlag gegen einen unmittelbar drohenden Angriff gewesen sei, bis heute verbreitet. Dabei war es schon damals gänzlich unglaubwürdig. Streit um den Suezkanal, ja. Aber wie sollte man sich erklären, wie ein Angriffskrieg mit ungeheurer Landnahme, vom Sinai bis auf den Golan und das Westjordanland, innert zwei, drei Tagen realisierbar gewesen wäre, wenn es sich um Verteidigung gehandelt hätte? Es war im Gegenteil von langer Hand vorbereitet und der geeignete Augenblick wurde abgewartet.

Auf diesem “Sieg” sitzt nun das vermeintlich immer bedrohte israelische Staatsgebilde und seither wurden nur einige Teile unter Druck zurückgegeben. Längst hat man sich daran gewöhnt, dass dass Westjordanland und Gaza unter israelischer Herrschaft stehen. Jerusalem gehöre den Juden, wird immer selbstverständlicher geäussert, als hätte es keine andere Bevölkerung.

Was der Film deutlich zeigt, ist die eklatante Menschenrechtsverletzung mit Vertreibung und Ermordung der Zivilbevölkerung, das Töten wehrloser Gegner. Es gibt einen Disput darüber, ob es reguläre Befehle oder nur die einzelner Kommandanten waren, welche “so viele wie möglich töten” befahlen – doch die Tatsachen sind deutlich genug.

Dennoch bleibt der Film ganz unverbindlich. Der Jubel wird ein wenig hinterfragt, die Heldenhaftigkeit ein bisschen getrübt, doch letztlich bleibt es ein Krieg wie andere: Scheusslich, aber vorbei. Soldaten erzählen von anderen, welche Flüchtlinge ermordet hätten, aber nichts wird klar und deutlich gezeigt: Dass es ein planvoller Vertreibungsprozess war, der bis heute andauert. – Und dies macht doch den gewaltigen Unterschied, dass das Unrecht bis heute andauert, die Grausamkeiten und Willkür gegenüber der wehrlosen Zivilbevölkerung Alltag sind und sich täglich steigern.

Wir haben uns gefragt, wie vorsichtig man denn bleiben muss, damit diejenigen, welche die israelische Politik mittragen – indem sie sie verteidigen oder nicht publik machen lassen – zuzuhören geruhen. Die Tonbänder wurden insofern zensuriert, dass man dem Publikum keine Vorwürfe zumutet, keine historischen Vergleiche zulässt. Einverstanden, wir wollen ja niemand verletzen. Aber genügt es denn auf diese Weise? Wird die Besatzung je beendet, ohne dass man sagen darf, was sie ist?

“Administered territories” verlangt die Sprachregelung seit 1967. Wie es auch befohlen ist “Palästinenser” zu sagen, es heisst “Arabs”, und daher sind die Sprüche an den Mauern von Jerusalem und Hebron so eingängig: Tod den Arabern, steht überall, und niemand kann sich dagegen wehren, denn der Begriff “Antisemitismus” wird heute ja gegen alle benutzt, die sich gegen israelische Menschenrechtsverletzungen wehren wollen.

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