Verständigungsbestrebungen

Ich musste mir gestern etwas Luft machen, das sei bitte erlaubt, denn es ist schwer, zu leiden an der Situation und sich dann im Gespräch immer wieder brutalste Widersprüche anhören zu müssen. Doch es ist klar, so kommen wir nicht weiter. Ich war dem Referenten von Swisspeace auch dankbar für seine stoische Milde, mit der er dem Angreifer zuhörte und nur sanft auf Widersprüche hinwies. Er hat ja auch immer für die Verständigung plädiert.

Es ist immer wieder die Rede von den beiden Narrativen der beiden “Völker”, von welchen das eine in der des andern ja gar nicht existiert. Lange habe ich auch daran geglaubt. Die grossartigen Leistungen wie Wahat-as-Salaam/ Neve Shalom zum Beispiel, und es gibt mehrere davon, es gäbe noch viel mehr, wenn es der israelische Staat erlauben würde – sie haben meinen vollen Respekt und ich hoffe sehr, dass Erfolg daraus gedeiht.

Aber ich weiss auch, dass diese Bewegungen von unten einfach an der Decke anstossen, wenn oben nicht gewollt wird. Völkerverständigung ist möglich. – Wir wissen ja längst, dass Juden und Araber sich verstehen würden, wenn die äussere Situation günstig wäre, dass es seit 150 Jahren möglich war im Einzelfall, und nur die Hetze und Demagogie durch führende Politiker und Militärs hat die Kriege, die Angst und Brutalität ausgelöst.

Wir haben in der Schweiz ein Miniaturbild von dem, was möglich ist: Flüchtlinge wurden zu bestimmten Zeiten willkommen geheissen, in unseren Städten war bis vor kurzem Rassismus nur die Haltung von einzelnen Personen. Mit der Hetze der Rechten – und die Wortführer (nicht die Mitglieder) unserer SVP muss man wirklich als Rechtsextreme bezeichnen – könnte Fremdenhass zu einer Massenbewegung werden, und dann wehe den Opfern. In Israel ist genau das eingetreten: Die Hetze gegen die “Araber” – man darf sie nicht Palästinenser nennen, weil man sonst merkt, dass sie einmal im Land gewohnt haben – ist so weit gediehen, dass diese keinerlei Mitleid mehr erhalten, ihr Tod wie der von Ungeziefer als Erleichterung gilt. Wenn die Wortführer das zu verstehen geben oder sogar sagen, dürfen es alle, und wer dann was in dieser Richtung tatsächlich ausführt, muss man nicht wissen. Und wenn die letzte Grenzüberschreitung toleriert wurde, darf man ruhig einen Schritt weitergehen.

Aber da habe ich mich verloren. Kurz: Die Verständigung ist zwar ein hehrer Gedanke, aber sie ändert überhaupt nichts an den Gegebenheiten. Wenn oben das Militär über einer unterdrückten Zivilbevölkerung herrscht, können die “unten” so nett und verständnisvoll sein, wie sie wollen, sie werden immer als Terroristen beschimpft.

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