Alltägliches Hinmorden

Anstelle einer eigenen “reifen” Darstellung leite ich einige zugesandte Texte weiter. Sie sind verstörend und wichtig.

Wie viele Palästinenser müssen für die Beendung der Besatzung sterben?

Von Hakam Abdelhadi

Ramalla, Hakam Abdel-Hadi

Das palästinensische Gesundheitsministerium hat am vergangenen Samstag (31. November 2015, wohl versehentlich für) 31. Oktober 2015 die Namen, einschließlich Alter und Tatort, von 72 getöteten Palästinenserinnen und Palästinensern veröffentlicht, die seit Anfang Oktober dieses Jahres zu beklagen sind. Die Opfer, darunter 15 Kinder, sind ausschließlich Zivilisten und wurden im Zuge des kürzlich ausgebrochenen Aufstands von israelischen Soldaten und Siedlern getötet.

In ihrer Verzweiflung sehen viele überwiegend junge Menschen, angesichts der Stagnation der Friedensbemühungen, keine andere Alternative als Widerstand gegen die seit 48 Jahren anhaltende israelische Besatzung zu leisten.

Die Widerstandsbewegung wird durch die Aktivitäten der alttestamentarisch orientierten, aggressiven und expandierenden israelischen Siedler, die von der Besatzungsarmee toleriert, gefördert und geschützt werden, täglich stärker und umfassender: In Hebron  demonstrierten Zehntausende friedlich und forderten Ende Oktober die Beendigung der Besatzung. Beobachter vor Ort rechnen mit einer baldigen Ausweitung des Aufstands auf die gesamte Bevölkerung im Gazastreifen und der Westbank.

Es fällt ins Auge, dass die Aktivitäten weder von Fatah noch von Hamas angestachelt oder geführt werden. Die palästinensischen Behörden in den beiden getrennten palästinensischen Gebieten halten sich zurück und verhalten sich nahezu neutral.

Eine neue junge Führung ist im Begriff zu entstehen. Die alten Führungen von Fatah und Hamas werden von ihr als korrupt und unfähig liegen gelassen. Weder die Verhandlungsbemühungen von Mahmoud Abbas noch die Raketen von Hamas, die derzeit faktisch Frieden mit Israel vereinbart hat, haben nicht zum Befreiungsziel geführt. Von der internationalen Gemeinschaft erwarten sie nicht viel, da die US- und EU-Führungen sich leider mit Appellen begnügen und keinen ernsthaften Druck auf die rechtsgerichtete israelische Regierung ausüben.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die junge Führung, die hauptsächlich mit modernen Kommunikationsmitteln (Facebook, Twitter und E-mails) arbeitet, Erfolg haben wird. Es ist auch nicht zu erwarten, dass Fatah und Hamas neutral bleiben können. Es geht den beiden Organisationen schließlich um ihre Macht und Privilegien.

Palästina/Israel stehen höchstwahrscheinlich vor einem Wendepunkt.

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