Kairos Palestine

Flyer Kairos-Tagung 150905 RomeroHaus

Am 5. September diskutierten Engagierte über die Notwendigkeit, dem Aufruf der palästinensischen Christen an die Kirchen in der Schweiz wieder Gehör zu verleihen. Die Christen sollen ein Sprachrohr sein, damit die Unterdrückung und beinahe zu erwartende Auslöschung bekannt wird. Die Tagung ergab ein Schlussprotokoll, auf das man sich nach intensiven Gesprächen geeinigt hat. Möge es wirken.

Viola Raheb war die Gastrednerin. Hier folgt die Erklärung:

Schlusserklärung

Als Teilnehmende an der Tagung „Kairos Palästina“

  1. September 2015, Romerohaus Luzern

 

stehen wir ein

für einen Frieden in Gerechtigkeit im Land der Bibel, der sowohl den Israelinnen und Israelis als auch den Palästinenserinnen und Palästinensern Sicherheit, Freiheit, Anerkennung und Selbstbestimmung gewährt und in dem die ethischen und völkerrechtlichen Normen und grundlegenden Rechte aller in Palästina und Israel lebenden Menschen garantiert werden.

 

stellen wir fest,

dass seit der Üebergabe der schweizerischen Petition zu Kairos Palästina „Die Stunde der Wahrheit“ im Juli 2014 an die schweizerischen Kirchenleitungen.

– sich die Lage im Nahen Osten grundlegend verändert hat, weite Regionen unter Krieg und Gewalt leiden und mehrere Millionen Menschen auf der Flucht sind.

– sich die Situation in Palästina und Israel verschlechtert hat und die im Kairos Palästina Dokument beschriebenen Leiden der palästinensischen Bevölkerung unter der Besetzung sich erheblich verschärft haben.

– im August 2014 erneut ein Krieg gegen Gaza stattgefunden hat, welcher gemäss UN Angaben 2200 Opfer auf palästinensischer und 71 Opfer auf israelischer Seite gefordert hat und der zu einem bisher noch nie da gewesenen Ausmass an Zerstörung von Häusern und Infrastruktur geführt hat, unter welchem die Bevölkerung in Gaza auch heute noch leidet.

– die israelische Regierung und Siedlergruppen im besetzten Westjordanland täglich neue Fakten schaffen, die den Lebensraum der palästinensischen Bevölkerung weiter einschränken, sie ihrer Lebensgrundlage berauben und die Suche nach einer Friedenslösung erschweren.

– die Aussöhnung zwischen den verschiedenen palästinensischen Behörden und Parteien nicht vorankommt und nach wie vor Übergriffe auf Angehörige des jeweils anderen Lagers stattfinden.

– die Gewalt israelischer und palästinensischer Extremistinnen und Extremisten sowohl die israelische wie die palästinensische Bevölkerung in Angst leben lässt.

– die internationale Gemeinschaft den systematischen Verletzungen des internationalen Rechts durch den Staat Israel weiterhin tatenlos zuschaut.

– sich die Zusammenarbeit der Schweiz mit Israel in militärisch relevanten Bereichen durch einen geplanten Drohnenkauf bei einer israelischen Firma vertieft hat.

erneuern wir den Aufruf an die Kirchenleitungen in der Schweiz,

– den Ruf der palästinensischen Christinnen und Christen aufzunehmen, welche die Kirchen

der Welt anfragen: “…könnt ihr uns helfen, unsere Freiheit zurück zu erlangen?”, und die aus dem Kairos Dokument entstandene internationale Bewegung zu unterstützen.

– das Kairos-Dokument Palästina „Die Stunde der Wahrheit“ in den Kirchgemeinden und

Pfarreien zur Diskussion zu stellen, Verbindungen mit der internationalen Kairos-Bewegung zu ermöglichen sowie sich für einen offenen und fairen Diskurs zum Konflikt

in Israel/Palästina einzusetzen.

– das Ökumenische Begleitprogramm EAPPI (Ecumenical Accompaniment Programme in

Palestine and Israel) des Ökumenischen Rates der Kirchen aktiv zu unterstützen.

– sich gegenüber den staatlichen Behörden der Schweiz für eine Aussenpolitik und für Handelsbeziehungen einzusetzen, welche Völkerrecht und Menschenrechte respektieren.

 

verpflichten wir uns

– zur aktiven Solidarität mit Menschen, Projekten und Organisationen in Israel und Palästina, welche sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen.

– zur Unterstützung des gewaltlosen Widerstands gegen die israelische Politik der Besetzung, Besiedlung und Blockade palästinensischer Gebiete.

Workshop: Sicherheit und Gewalt in Palästina/Israel

Wir verpflichten uns,

– nach den tieferen Ursachen von Gewalt und Unsicherheit zu fragen und uns für Verhältnisse einzusetzen, welche Sicherheit für alle Palästinenserinnen und Palästinenser und Israelinnen und Israelis garantieren. Dies heisst für uns in der Schweiz, dass wir uns für einen Dialog einsetzen, der die Rechte, Bedürfnisse und existentiellen Ängste aller respektiert.

Workshop: Entkolonialisierender Jeremia

Wir verpflichten uns,

– die Bibel nicht als Triebfeder und Legitimation für koloniale Projekte wie Landnahme zu instrumentalisieren.

– die prophetische Tradition der Bibel anzuerkennen, welche Recht und Gerechtigkeit für alle fordert.

– die Vielstimmigkeit der Bibel als Einladung für einen vielstimmigen Diskurs heute ernst zu nehmen.

Workshop: „Kommt und seht!“

Wir verpflichten uns,

– durch die Förderung von Reisen Begegnungen zu ermöglichen, welche sowohl die Geschichte als auch die gegenwärtige Situation neu erschliessen, eine kritische Solidarität mit Menschen in Israel und Palästina fördern und die Prinzipien eines fairen Tourismus zu respektieren (gemäss Richtlinien Alternative Tourism Group).

Workshop: Konsum, Investition, Besetzung

Wir verpflichten uns,

– sicherzustellen, dass wir uns durch Konsum und Investitionen nicht zu Komplizinnen und Komplizen von Menschenrechtsverletzungen und Verletzungen des internationalen Rechts machen.

– darauf zu drängen, dass Konsumentinnen und Konsumenten korrekt über die Herkunft der Produkte informiert werden

– auf den Kauf von Produkten und Dienstleistungen aus israelischen Siedlungen in besetzten Gebieten zu verzichten.

– Banken und Pensionskassen dazu aufzurufen, nicht in Firmen zu investieren, welche von der Besetzung profitieren.

Workshop: Gerechter Frieden im Nahen Osten – Eine Vision für die Zukunft

Wir verpflichten uns,

– die Entwicklung einer gemeinsamen zivilgesellschaftlichen Vision mit entsprechenden Handlungslinien für den Nahen Osten zu unterstützen.

– in Europa und im Nahen Osten für die Entwicklung pluraler Gesellschaften einzustehen: „Wir sind gerufen die Würde aller Menschen zu schützen, ohne Rücksicht auf ihr Geschlecht, ihre ethnische Herkunft, ihre Religion, oder ihre Überzeugung“[1].

-Zusammen mit den Menschen im Nahen Osten, „die Hände zu den Nachbarn in den anderen Religionen auszustrecken, um miteinander an einer gerechten, sicheren und freien Gesellschaft für alle Bürgerinnen und Bürger zu bauen.“

[1] Vom Nil bis an den Euphrat, Dokument des Christlichen Akademischen Forums für staatsbürgerliche Rechte in der arabischen Welt; CAFCAW, Aphorisma 2015

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