Die plötzliche “Entdeckung”

Übers Wochenende hat die Zeitung “Ha’aretz” plötzlich herausgefunden, dass die Bewohner von Susiya ja tatsächlich auf ihrem eigenen Land leben, es gebe ein Dokument aus ottomanischer Zeit (das heisst irgendwann vor 1967), welches mindestens für ein Grundstück die Eigentümerschaft bezeuge. Das ist natürlich lächerlich: Die Bewohner von Susiya hätten sich gar nie auf diesem Gebiet niederlassen können nach ihrer Vertreibung, wenn sie nicht das Glück hätten, solche Papiere zu besitzen. Sowohl sie wie die Militäradministration der Israelis, welche sie vertrieben haben, sowie die Gerichte hatten diese Unterlagen. Für wen also sind sie neu?

Das Magazin +972 hat einen interessanten Verdacht: Jemand aus der Militärverwaltung hat diesen Beweis heimlich der grossen kritischen Zeitung Ha’aretz zugespielt, damit ein Rückzug vom Baum – der den Siedlern versprochenen Zerstörung des Dorfes – überhaupt möglich ist.

Denn nachdem öffentlich ist, was alle gewusst haben, kann man nicht mehr eine Zerstörung von Susiya verlangen. – Ob Susiya durch diesen Trick, ein Resultat des einhelligen internationalen Protestes, tatsächlich gerettet ist, muss sich noch erweisen.

Doch die Geschichte ist auch dann noch lange nicht fertig. All die Dörfer und kleinen palästinensischen Siedlungen am Nordrand des Negev sind äusserst bedroht, fast alle haben Zerstörungsbefehle und benötigen Schutz. Allen hat die israelische Verwaltung den Zugang zum (eigenen!) Wasser und Strom verweigert. Diese Skandale sind noch viel zu wenig bekannt, und sie spiegeln doch immer das gleiche Muster: Seit 48 Jahren oder noch viel länger schleichende, stetige Landnahme.

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