Eins mehr in der Statistik

In der Schweiz hört man ab und zu von einem fürchterlichen Anschlag. Ein Terrorist konnte gerade noch rechtzeitig erschossen werden. Verschiedene mörderische Anschläge mit Autos in Jerusalem intensivierten vor einiger Zeit den Eindruck, dass da gewalttätige Aktionen geplant ausgeführt würden. So glaubt man sich informiert und ist überzeugt von den Beteuerungen, es handle sich stets um notwendige Selbstverteidigung, wenn die Täter erschossen würden.

Aber haben Sie gehört, dass am 3. Juli ein palästinensischer Jugendlicher erschossen wurde? Das war gerade, als ich das Land betreten habe. Es gab ein Durcheinander mit Alter und genaueren Angaben, weil es zwei ähnliche Exekutionen (das Wort wird jetzt befremden, es ist  ganz und gar unerlaubte Interpretation und völlig anders als die übliche Version) gab innert einer Woche, beide am  Checkpoint Calandia, eine Beerdigung, ähnliche Namen, und natürlich die gleichen Vorwürfe.

Zu diesem hiess es, der Junge habe grosse Steine, ja Felsbrocken (big rocks) geworfen. Es hiess aber auch, er habe die Mauer überklettern wollen. Wie soll man sich das vorstellen? Auf jeden  Fall steht die Aussage fest, ein Militärangehöriger (senior officer) habe das von vier Soldaten besetzte Sicherheitsfahrzeug verlassen und in Selbstverteidigung den Jungen erschossen.

Warum nimmt man ihm das ab? Nun tauchten die Aufnahmen der Überwachungskameras auf und zeigen, dass der Junge tatsächlich einen Stein auf die Windschutzscheibe wirft (blitzschnell und einhändig, der kann nicht sehr gross gewesen sein), darauf aber sofort wegläuft. Die Untersuchung des Toten hat drei Schüsse in den Rücken, und zwar in den Oberkörper, ergeben (immerhin werden diese Ergebnisse veröffentlicht). Warum hört man im Ausland nie von den nachträglichen Beweisen, welche die Behauptungen der gerechtfertigten Selbstverteidigung entlarven?

Warum akzeptieren wir, dass hier blutjunge oder auch ältere Soldaten Menschen erschiessen, weil sie vielleicht etwas Böses im Sinn haben? Ein Soldat von “Breaking the Silence” erzählt, dass er in einer Ramadan-Nacht einen Mann erschossen habe, weil er mit einem undefinierbaren Gerät auf der  Strasse war: Er hatte das Ende des Iftar mit einer Trommel verkünden wollen, doch das fand man erst nachher heraus (Quelle: BtS, “Our harsh logic”).

Hier der heutige Artikel, welcher zu diesen Überlegungen Anlass gab:

Sami Kosba adds the picture of a third son killed by the IDF to his wall

Und ein Gedanke zu den “Anschlägen” mit Autos in Jerusalem. Es gibt keinen Hinweis, dass dies keine Einzeltäter waren. Wieviele Morde und Amokläufe gibt es in andern Ländern? Auch wenn es nichts zu entschuldigen gibt. Grund zum Wahnsinnigwerden gibt es für Palästinenser leider genug.
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