Not two coins of the same medal

Ich stelle immer wieder fest, dass auch kluge Leute zu schnell einfach behaupten: Da unten (im Nahen Osten, oder präzis: zwischen Israel und Palästina) kann man nichts machen; beide Seiten sind gleich schuld. Es wird nie Frieden geben.

Und was mich nervt, sind die vielen psychologischen Erklärungen. Ein Psychiater machte Experimente mit Soldaten “Israelis und Palästinensern” und untersuchte deren Posttraumata. Aber nicht etwa, um zu unterscheiden, sondern es war ihm die gleiche Masse von Probanden, beide Seiten haben Gewalt erlebt.

Wenn ich letzteres auch nicht leugne und nicht zweifle, dass israelisches Militär ebenso furchtbar traumatisch sein kann, empört mich einfach die Gleichsetzung.

Es ist schwer, israelische Jüdin zu sein, am liebsten möchte sie auswandern, sagte eine Frau zu mir. Beide Seiten täten furchtbar Schlimmes.  Aber trotzdem fühlt sie sich vom Sicherheitsdienst gesichert, ist überzeugt, dass die Mehrzahl der “Araber” Terroristen sind und dass aus Sicherheitsgründen keine Lösung möglich sei.

Und sie hat auch die feste Überzeugung, dass die Soldaten in ihrer Familie jene sind, welche extra an die Checkpoints gehen, um Gutes zu tun. Und sie ist absolut sicher, dass meine Beobachtung von israelischem Militär, welches zum Training junger Soldaten regelmässig palästinensische Dörfer überfällt und jeweils ein Dutzend Männer und Jungen auf brutale Weise verhaftet, ganz sicher nur auf kriminelles Verhalten der Verhafteten zurückzuführen sei. Während die Langzeitbeobachtung diese Überfälle ziemlich sicher als militärisches Training erweist.

Darum ertrage ich es nicht, wenn immer verglichen wird, dass beide Seiten Schlimmes täten. Es ist das Verhältnis von Unterdrücker und Unterdrückten, Gewaltausführenden und Bedrohten, Macht und Ohnmacht, Triumph und Scham. Gerade darum wiegt es in diesem Zusammenhang nichts, was die eine oder andere Seite denkt. Solange die Besatzung andauert, gibt es nur eine Seite, die schuld ist.

Auch diese Gesprächspartnerin heute meinte, es sei anzuerkennen, dass an einem Checkpoint jemand freundlich gewesen sei. Ihr Begleiter sagte, das sei nur wegen ihrer Präsenz so geschehen, doch sie glaubt das nicht und verlangt, dass man das lobend anerkenne. Nein. Ich verstehe ihren Diskussionspartner vollkommen. Es ist furchtbar egal, ob mal einer der Besatzer nett ist. Natürlich ist es schlimmer, wenn er ein Widerling ist und schikaniert. Und man kann einem netten Soldaten sein Verhalten auch zugute halten als Person. Doch das ist doch kein Grund, irgendetwas als nicht so schlimm zu erleben.

Aufgefallen ist mir dieses ständige: “sie”, die Araber sind auch schuld, sie wollen uns – ja, auch das “uns” irritiert – ins Meer werfen, sie wollen nicht friedlich an Wahlen teilnehmen, sie bedrohen einander.

Wenn beide Seiten gleich und unabhängig existieren, kann man die Entwicklung der Demokratie und eine verantwortungsvolle Regierung auf die Agenda setzen bzw. von aussen erwarten. Und dass dies schwierig wird, liegt schon jetzt auf der Hand. Doch bis dahin kann man sie nicht beurteilen.

Ich habe mich geärgert im Film “The Green Prince” aus vielen Gründen. Einer war, wie die Misshandlungen der Palästinenser im Gefängnis durch ihre eigenen Leute dargestellt wurden: Es waren die schlimmsten Szenen des ganzen Films. Dabei geht es darum, wie der Geheimdienst einen wirklich anerkanntermassen jungen Mann verhaftet und foltert (das wird allerdings ausgelassen), damit er seinen Vater und dessen Freunde verrät. Dieser Skandal wird, sogar als spannender Schachzug, akzeptiert – meine heutige Gesprächspartnerin betonte eifrig, was für ein gefährlicher Typ dieser Mann war, sie fand auch nichts daran. Hingegen die Folterszenen von Palästinensern an ihren eigenen Leuten. Der Grund für solche Greueltaten – wenn sie wirklich geschehen, es ist dem Film wichtig, das auszumalen – ist doch die Besatzungsmacht und dass die sie gefangennehmen und dass alle Angst haben davor, von den andern denunziert zu werden. Das ist kein Thema, wirken soll das Bild, wie die sich gegenseitig terrorisieren und zerfleischen.

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